Risiko beim Investieren einfach erklärt
Stell dir vor: Du investierst dein Geld in Aktien und ETFs.
Am Anfang wirkt alles ruhig. Doch plötzlich fällt der Wert. Vielleicht sogar stark.
Du siehst dein Geld weniger werden und fragst dich:
Ist das normal? Oder habe ich etwas falsch gemacht?
Die kurze Antwort: Schwankungen sind normal.
Sie gehören zum Investieren dazu – so wie Wellen zum Meer gehören.
Bildhafter Vergleich
Stell dir das Investieren wie eine Reise über das Meer vor.
- oft ist das Wasser ruhig
- manchmal gibt es starke Wellen
- Die Wellen sind die Schwankungen
Du kannst nicht verhindern, dass Wellen kommen.
Aber du kannst entscheiden, ob du ruhig sitzen bleibst oder panisch abspringst.
Welche Risiken gibt es?
Es gibt mehrere Arten von Risiko:
1. Kursschwankungen (Marktrisiko)
Kurse steigen und fallen – manchmal stark und schnell. Das nennt man Volatilität.
In großen Krisen wie 2008 oder 2020 haben breite Indizes kurzfristig 30-50% verloren.
Das klingt dramatisch und fühlt sich auch so an, wenn man es erlebt.
Wichtig zu wissen: Verluste werden erst dann real, wenn du verkaufst.
Wer in der Krise ruhig geblieben ist, hat in der Vergangenheit oft gewartet bis sich
die Kurse erholt haben. Aber: Eine Garantie dafür gibt es nicht.
2. Zeitliches Risiko - wann du das Geld brauchst
Wer sein Geld kurzfristig braucht, hat ein Problem wenn die Kurse genau dann im Minus sind. Ein konkretes Beispiel:
Jemand investiert 2019 einmalig 10.000€. Im Corona-Crash 2020 fällt der Wert auf rund 7.000€. Wer jetzt verkaufen muss wegen eines Notfalls, einer Kündigung oder einer unerwarteten Ausgabe macht 3.000€ Verlust.
Wer bis 2021 warten konnte, hatte wieder rund 11.000€.
Deshalb gilt: Nur Geld investieren, das du langfristig nicht brauchst.
Den Notgroschen (3–6 Monatsgehälter) besser auf einem Tagesgeldkonto halten – flexibel und verfügbar.
3. Länder- und Branchenrisiko
Nicht alle Länder und Branchen entwickeln sich gleich. Wer nur in deutsche Aktien (DAX) investiert, hätte zwischen 1999 und 2009 kaum Gewinn gemacht.
Wer 2000 nur auf Tech-Aktien gesetzt hat, hat im darauffolgenden Crash rund 80% verloren.
Eine mögliche Lösung: Breite Diversifikation.
Ein weltweiter ETF enthält rund 1.500 Unternehmen aus 23 Ländern und vielen Branchen.
Einzelne Krisen fallen dadurch deutlich weniger ins Gewicht.
4. Das größte Risiko: Emotionen
Oft sind es aber die eigenen Emotionen, die einem in die Quere kommen.
Wenn die Kurse stark fallen, kommt schnell Panik auf.
Nach einem starken Anstieg denkt man vielleicht: „Jetzt bin ich zu spät dran.“
Andere lassen sich von Trends, Schlagzeilen oder Tipps aus sozialen Medien beeinflussen.
Untersuchungen zeigen immer wieder, dass solche spontanen Entscheidungen die langfristigen Ergebnisse verschlechtern können. Deshalb versuchen viele langfristig orientierte Anleger, möglichst ruhig zu bleiben und ihrem Plan zu folgen. Zum Beispiel durch regelmäßiges Investieren oder indem sie nicht jeden Tag auf die Kurse schauen.
Kursschwankungen gehören zur Börse dazu.
Schwieriger als der Markt selbst ist oft der Umgang mit den eigenen Gefühlen.
Totalverlust bei einem Welt-ETF?
- Kann mein MSCI World ETF auf 0€ fallen?
Bei einem breit gestreuten Welt-ETF müssten dafür sehr viele Unternehmen auf der ganzen Welt gleichzeitig scheitern oder dauerhaft massiv an Wert verlieren, darunter Konzerne wie Apple, Microsoft, Toyota, Nestlé, Samsung und viele mehr.
Das wäre nicht einfach nur eine normale Börsenkrise, sondern eine schwere weltweite
Wirtschafts- und Finanzkrise. In einem solchen Szenario wären wahrscheinlich nicht nur Aktien betroffen, sondern auch viele andere Bereiche der Wirtschaft.
Selbst nach großen Krisen wie 1929, 2008 oder 2020 haben sich die Märkte langfristig wieder erholt. Vergangene Entwicklungen sind jedoch keine Garantie für die Zukunft.
Ein Totalverlust bei einem globalen ETF ist theoretisch möglich.
Viele Anleger halten ein solches Szenario jedoch für deutlich weniger wahrscheinlich
als bei einer Investition in einzelne Unternehmen.
Möglichkeiten, Risiken zu verringern:
- Breit streuen
Ein weltweiter ETF zum Beispiel verteilt das Risiko auf viele Länder,
Branchen und Unternehmen.
- Langfristig investieren
Je länger der Anlagezeitraum, desto mehr Zeit hat das Depot, Schwankungen auszusitzen.
- Sparplan nutzen
Wer jeden Monat einen festen Betrag investiert, kauft bei niedrigen Kursen mehr Anteile und bei hohen Kursen weniger Anteile. Dadurch entsteht mit der Zeit ein durchschnittlicher Kaufpreis. Das wird oft als Cost-Average-Effekt bezeichnet.
- Notgroschen behalten
Ein finanzieller Puffer auf dem Tagesgeldkonto kann helfen, in unerwarteten Situationen nicht auf langfristige Geldanlagen zurückgreifen zu müssen.
- Emotionen kontrollieren
Kursschwankungen gehören zur Börse dazu. Deshalb kann es hilfreich sein, vorher zu verstehen, was man kauft und warum man investiert.
Risiko verstehen statt Angst haben
Risiko beim Investieren ist nichts, wovor man Angst haben muss.
Wichtiger ist, zu verstehen, welche Risiken es gibt und wie man damit umgehen kann.
Wer die typischen Risiken kennt, kann viele Fehler vermeiden. Zum Beispiel aus Panik zu verkaufen, Geld zu investieren, das kurzfristig benötigt wird, oder sich von Schlagzeilen und Trends beeinflussen zu lassen.
Gleichzeitig ist auch das Nicht-Investieren nicht völlig ohne Risiko.
Wer sein Geld über viele Jahre nur auf dem Spar- oder Girokonto liegen lässt, kann durch die Inflation Kaufkraft verlieren.
Das bedeutet: Das Geld ist zwar noch da, man kann sich davon aber mit der Zeit weniger kaufen.
Am Ende geht es nicht darum, Risiken komplett zu vermeiden.
Es geht darum, die verschiedenen Möglichkeiten zu verstehen und eine Entscheidung zu treffen, die zur eigenen Situation passt.
Wichtig zu wissen:
Diese Seite soll helfen, Finanzthemen besser zu verstehen.
Sie ersetzt keine persönliche Anlageberatung und gibt
keine individuellen Empfehlungen
für bestimmte Produkte, Wertpapiere oder Broker.
Stattdessen sollen dir alle Inhalte helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen,
damit du deine eigenen, informierten Entscheidungen treffen kannst.
